
Die Tonkammer
Ein Chor verschwindet in einem Schacht — und kommt als vollerer, tragenderer Ton zurück. Die Tonkammer ist Öllerers akustische Signatur.
Beim zweichörigen Tonkammer-Modell sitzt einer der beiden Chöre in einem Schacht — der eigentlichen Tonkammer. Der Ton wird zuerst in diesen Hohlraum abgegeben und gelangt erst indirekt an die Umgebungsluft. Dort bildet sich eine stehende Welle: der Frequenzbereich von 500 bis 1000 Hz wird selektiv verstärkt, was einen sehr vollen, tragenden Ton ergibt.
Der Ton verschwindet im Schacht und kommt als Wärme zurück.

Der weiche, klar definierte Klang eignet sich besonders zum Zusammenspiel mit Saitenmusik und im Harmonika-Duo. Solistisch entfalten langsame, getragene Stücke in tiefer Lage ihre ganze Wirkung — gerne in Kirchenräumen mit guter Akustik. Die Bauweise (italienisch: Cassotto) findet man sonst nur bei teuren Solisten-Akkordeons.
Die Mechanik muss beide Klappen exakt synchron bewegen und ist um ein Vielfaches aufwändiger als eine normale Harmonika-Mechanik. Auch das Fertigstimmen dauert länger: für jede Arbeit an den Stimmen im Tonkammerschacht müssen die Stimmstöcke ausgebaut werden. 1989 mit dem Bayerischen Staatspreis ausgezeichnet.