Öllerer Tonkammer-Harmonika
Werkstatt — InnovationPatent · Staatspreis 1989

Die Tonkammer

Ein Chor verschwindet in einem Schacht — und kommt als vollerer, tragenderer Ton zurück. Die Tonkammer ist Öllerers akustische Signatur.

Beim zweichörigen Tonkammer-Modell sitzt einer der beiden Chöre in einem Schacht — der eigentlichen Tonkammer. Der Ton wird zuerst in diesen Hohlraum abgegeben und gelangt erst indirekt an die Umgebungsluft. Dort bildet sich eine stehende Welle: der Frequenzbereich von 500 bis 1000 Hz wird selektiv verstärkt, was einen sehr vollen, tragenden Ton ergibt.

Der Ton verschwindet im Schacht und kommt als Wärme zurück.
Frequenzgang — Cassotto-Effekt
10050010002000HzTonkammerStandard
Während ein Standard-Chor relativ flach abstrahlt, hebt die Tonkammer gezielt das Band um 500–1000 Hz an — genau dort, wo das Ohr Wärme und Tragfähigkeit verortet.
Urkunde: Staatspreis der Bayerischen Staatsregierung 1989 für Georg Öllerer — 4-reihige Harmonika mit Tonkammersystem, Goldmedaille
Staatspreis · München 1989

Der weiche, klar definierte Klang eignet sich besonders zum Zusammenspiel mit Saitenmusik und im Harmonika-Duo. Solistisch entfalten langsame, getragene Stücke in tiefer Lage ihre ganze Wirkung — gerne in Kirchenräumen mit guter Akustik. Die Bauweise (italienisch: Cassotto) findet man sonst nur bei teuren Solisten-Akkordeons.

Die Mechanik muss beide Klappen exakt synchron bewegen und ist um ein Vielfaches aufwändiger als eine normale Harmonika-Mechanik. Auch das Fertigstimmen dauert länger: für jede Arbeit an den Stimmen im Tonkammerschacht müssen die Stimmstöcke ausgebaut werden. 1989 mit dem Bayerischen Staatspreis ausgezeichnet.